Preisträger 2009



Wettbewerb Europa

1. Jurypreis
Légende de Jean L’Inversé (Legend of John the Inverted)
Philippe la Mensch / Belgien 2008 / Fiktion / 17’55
Ankauf des Gewinner-Films durch WDR – arte

Jury statement:
In the age of genetic engineering the perfect child becomes the dream of many parents. This philosophical theme is embedded in a strange and bizarre narration, visualized as a collage of Live Action, Animation, TV-Footage intertwined with clips&quotes from Classic Movies and Immanuel Kant.
 
2. Jurypreis
Budka (Booths)
Mikhail Zheleznikov / Russland 2008 / Dokumentation / 26‘51
750 €, gestiftet von Zeitsprung Entertainment

Jury statement:
By visiting public spaces in his hometown, the auteur tells us his childhood memories. This essayistic approach is peppered with humoristic and ironic remarks, poetical and philosophical reflections. Thus, a personal nostalgic review is opening up to an insight in the past and present of Russian society.
 
3. Jurypreis
Photograph of Jesus
Laurie Hill / UK 2008 / Animation / 6‘40
500 €, gestiftet vom WDR

Jury statement:
“History” does not only consist of facts and documents, but also and far more of the stories and legends in the collective memory. To visualize how much the “truth” is influenced by our desire for images, the auteur brings the Yeti, Hitler, James Dean and others proms into a wild dance of narrative anarchy and technical perfection, amidst the sober Corridors of the Getty Images Foto Archive.
 
Lobende Erwähnung
Mina
Mette Kjaergaard / Dänemark 2008 / Fiktion / 13‘16
The first Honorable Mention goes to Mellica Mehraban - the actress of “Mina” by Mette Kjaergaard
 
Lobende Erwähnung
Muto
Blu / Italien 2008 / Animation / 7‘00
The second Honorable Mention goes to the Music and Sound Design of “Muto” – Composer Andrea Martignoni
 
Publikumspreis Europa
Skhizein
Jeremy Clapin / Frankreich 2008 / Animation / 13‘35
500 €, gestiftet von choices
 
 
 
Wettbewerb NRW
 
1. Jurypreis
man stirbt.
Patrick Doberenz + Philipp Enders / Deutschland 2009 / Dokumentation / 30‘00
Filmtechnikmiete im Wert von 2.500 €, gestiftet von CAMCAR

Jurybegründung:
Der Gewinner des NRW-Wettbewerbs berührt sein Publikum auf ganz entgegengesetzte Art und Weise. Sowohl durch seine Machart als auch durch sein Thema. In einem extrem stilisierten und aufs Wesentliche reduzierten Setting vor weißem Hintergrund wird das Sterben eines Menschen beschrieben, und das standardisierte Prozedere, das diesem folgt. Es ist ein von hervorragenden Laiendarstellern getragener Ablauf übertragbarer Allgemeingültigkeit, eng verknüpft und transportiert durch das ergreifende Einzelschicksal eines herzkranken Rentners.

Tapsige Kommentare und Versprecher von Finanzberaterinnen, Sanitätern und Ärzten zeugen von einer notwendig distanzierten, tragikomischen Abstumpfung bestimmter Berufsfelder. Die immer wieder eingestreuten Tanzeinlagen eines gemeinsam gealterten Pärchens, ihre stumme Verständigung und die ebenso stille Trauer der Witwe sorgen indessen für einen selten erreichten Grad emotionaler Anteilnahme.

„man stirbt.“ lautet der treffende Titel des preiswürdigen Films, untermalt von einem nüchtern aufklärerischen Voice Over. Patrick Doberenz und Philipp Enders gelingt leichtfüßig ein schwieriger Balanceakt. Sie bebildern ein eher tragisches denn komisches, „eingebürgertes“ Standardverfahren, während sie dem natürlichsten und unabwendbarsten aller Lebenselemente die extreme Künstlichkeit der Umsetzung gegenüberstellen. Ein Mensch wird zum Formular, und das in einer einfühlsamen und zugleich durch seine Nüchternheit bedrückenden Erzählung, die von ihren narrativen und inszenatorischen Kontrasten lebt.
 
2. Jurypreis
Iki Arada Bir Denizde
Johannes Duncker / Köln 2008 / Fiktion / 20’36
500 €, gestiftet von Caninenberg & Schouten

Jurybegründung:
Die Jury verleiht den zweiten Preis einer Produktion, die in extremer Low-Budget-Manier aufzeigt, worum es im Kurzfilm-Segment vornehmlich geht. Die Auszeichnung geht an einen Kurzspielfilm, der trotz seiner reduzierten Produktionsmittel ein einfaches, gelassen auswählendes, aber nie überstrapaziertes Kamera-Auge besitzt. Ein Film, der ansprechend unkonventionell geschnitten ist und dabei zwei Grundessenzen aufweist, die abseits teurer, technischer Spielereien am Ende zählen: Hartnäckige Erzählfreude und eine Idee, die mit einem derart privaten und unaufgeregten Blick umgesetzt wird, der einen die durch „ästhetisch geglättete“ Sehgewohnheiten definierten „Mängel“ gerne übersehen lässt.

Es geht um den Einbruch der „Touri-Zivilisation“ in ein unberührtes Fleckchen Erde, um den ausgesandten „Späher“ einer Hotellobby, die sich besonders gern in ein heimeliges Paradies einnistet. Ein Istanbuler Geschäftsmann begegnet dem Eremiten einer kleinen, türkischen Insel, für kurze Zeit entdeckt er eine Lebensart der Einfachheit und eine Naturidylle, die ihn aus seinen üblichen Denkbahnen katapultiert.

Natürlich weiß man am Anfang seines eigenen Erzählens noch nicht immer, wo die anderen Filme aufhören und das eigene Leben beginnt, aber solche Unsicherheiten sind normal und im besten Fall auf ihre eigene Art anrührend, wenn sie aufrichtig gemeint sind.

„Iki Arada Bir Denizde“/„Zwischen den Ufern“, haben Johannes Duncker und Ilker Catak ihre im positiven Sinn „naiv“ ausgestaltete Erzählung betitelt, die uns durch eine unverbrauchte Unmittelbarkeit beeindruckt hat, von der wir gerne mehr sehen würden.
 
Sonderpreis der Jury: Einladung zum Essen für zwei Personen
Nachtschatten
Eike Mosler / Köln 2009 / Animation / 4‘16

Jurybegründung:
Die Jury hat im Rahmen des NRW-Wettbewerbs einen weiteren Preis verliehen, dessen Belohnung sich die Jury wortwörtlich vom Mund abgespart hat.

Dieser nachgeschobene Preisträger ist kurz, berührend und von ungewöhnlicher Intensität, wenn aus finsterer Bedrohlichkeit plötzlich Licht wird. Bewegung wird zu erzwungenem Stillstand, der zu einer extraterrestrisch anmutenden Kontaktaufnahme führt: Ein Junge fährt einen Waldweg entlang, wird von einem vorbeirasenden Auto in den Graben verdrängt und findet im angrenzenden Wald ein seltsames Leucht-Knäuel, das Einsamkeit und Dunkelheit aus ihm und dem Wald, aus dem Kinosaal und von der Leinwand verbannt.

Die kritzelige Animation formt sich zu einer einfach, aber kraftvoll gestalteten 3-D-Welt nächtlicher Schatten, die von den rot-orangenen Fasern eines kleinen Wesens elektrifiziert werden, das selbst das menschliche Kunstlicht von Scheinwerfern und Straßenlaternen scheut. „Nachtschatten“ von Eike Mosler führt mit mit viel Gespür für Timing und Bildaufbau zwei rührend einsame Gestalten ein, deren allzu kurze, aber hoffnungsvolle Begegnung für vieles steht, und genau das durch wenig kommunizieren kann.
 
Publikumspreis NRW
Soltau
Peter Hümmeler / Köln 2009 / Fiktion / 26‘30
1.000 €, gestiftet von Unitymedia/KultCrossing